
Die Autoren Oliver Schröm und Ulrich Thiele im Interview
Euer Buch ist das erste über den Nord-Stream-Anschlag. Was erwartet die Leser:innen?
Unser Buch ist ein Korrektiv. Das, was bislang bekannt ist, ist nur ein Teil der Geschichte. Vieles ist verkürzt, manches irreführend oder einfach falsch. Wer das Buch liest, wird die Sabotage und ihre Hintergründe mit anderen Augen sehen. Die Leser erwarten auch bittere Enthüllungen über die Russland- und Ukraine-Politik des Kanzleramts unter Olaf Scholz.
Wie habt ihr recherchiert?
Wir haben mit mehr als 100 Personen gesprochen: ehemalige Regierungschefs, Minister, Spitzenbeamte, Ermittler, Geheimdienstmitarbeiter – in Europa und den USA. Viele haben uns nicht nur ihre Erinnerungen anvertraut, sondern interne Dokumente, E-Mails, Chatverläufe und persönliche Aufzeichnungen. Am Ende standen mehrere Tausend Seiten Material.
Gab es einen Moment, der euch besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ja. Für Gespräche mit zwei Drahtziehern der Sprengung und einem Tatbeteiligten sind wir nach Kyjiw gereist.
Wie lief das Treffen ab?
Ein unscheinbarer Altbau im Zentrum der Stadt. Ein wortkarger Mann öffnete, führte uns durch einen dunklen Empfangsraum in ein schummriges Büro. Schwerer Tisch, gedimmtes Licht, Vorhänge zugezogen – es war fast schon eine Agentenfilm-Persiflage. Der Hintergrund war allerdings real: Wegen der russischen Angriffe musste der Strom rationiert werden. Das Gespräch begann frostig. Die Hintermänner waren misstrauisch, wollten lieber über andere Themen reden. Wir wussten, dass wir irgendwann die entscheidenden Fragen stellen mussten – und waren auf alles gefasst. Doch dann drehte die Stimmung. Und sie erzählten.
Gab es einen echten Durchbruch bei euren Recherchen?
Mehrere. Einer davon: Innerhalb von 72 Stunden bestätigten uns hochrangige Quellen in den USA und der Ukraine unabhängig voneinander, dass die CIA frühzeitig über den Plan zur Sprengung informiert war.
Wie früh?
Ende April 2022 – rund sechs Monate vor der Explosion – nahmen Hintermänner der Sabotage Kontakt zu CIA-Verbindungsleuten auf. Nach unseren Recherchen sagte die CIA ihre Unterstützung zu. Wir können detailliert rekonstruieren, wie diese Kontakte zustande kamen und was vereinbart wurde.
Und welche Rolle spielt Berlin?
Das Kanzleramt unter Olaf Scholz spielt eine zentrale Rolle in unserem Buch. Wir veröffentlichen bislang geheime Informationen und Dokumente und zeichnen nach, was sich hinter den Kulissen abspielte.
Wir bewerten nicht, wir rekonstruieren. Aber vermutlich werden sich viele Leser:innen fragen, ob die Ukraine-Politik von Olaf Scholz – vielleicht sogar seine Kanzlerschaft insgesamt – neu eingeordnet werden muss.
Quelle: https://www.piper.de/buecher/die-sprengung-isbn-978-3-492-07509-1, abgerufen 15.04.2026